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Wir halten uns nie an die Gegenwart.

Wir nehmen die Zukunft vorweg, als käme sie zu langsam, als wollten wir ihr Kommen beschleunigen. Oder wir rufen die Vergangenheit uruck, um sie festzuhalten, als ginge sie zu rasch von dannen. So unklug sind wir, daß wir zwischen den Zeiten herumirren, die nicht unsere sind, und an die einzige Zeit, die uns gehört, überhaupt nicht denken. Und so eitel sind wir, daß wir den Zeiten nachsinnen, die nichts mehr bedeuten, und damit unüberlegt der einzigen Zeit davonlaufen, die noch vorhanden ist.

Das Gegenwärtige macht uns meistens Kummer. Wir verbergen es vor uns, weil es uns betrübt. Wenn es uns angenehm ist, bedauern wir, es entschwirden zu sehen. Wir versuchen, es für die Zukunft zu erhalten. Wir trachten danach, die Dinge, die nicht in unserer Macht stehen, auf eine Zeit hin zu ordnen, von der wir nicht sicher sind, ob sir sie erleben.

Jeder prüfe einmal seine Gedanken! Er wird feststellen, daß sie alle mit der Vergangenheit und mit der Zukunft beschäftigt sind. An das Gegenwärtige denken wir fast gar nicht. Und wenn wir daran denken, so eigentlich nur, um daraus die Einsicht zu gewinnen, wie man die Zukunft einrichten kann. Das Gegenwärtige ist niemals unser Ziel. Vergangenheit und Gegenwart sind unsere Mittel. Unser Ziel ist einzig das Zukünftige. Darum leben wir nicht, sondern hoffen nur zu leben. Und weil wir uns immer auf ein kommendes Glück einstellen, ist es ausgeschlossen, daß wir jemals glucklich sind.

Blaise Pascal (1623-1662)

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