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Wellenreiten (auf biblische Art)

Eine Stunde ruderten die Männer jetzt schon. Das war ganz schön anstrengend. Der Wind kam ihnen nämlich genau entgegen. Und sie mussten bis nach Kapernaum durchhalten.
So hatte Jesus es ihnen gesagt: sie sollten vorausfahren nach Kapernaum, er käme später nach, wenn auch die Letzten das Wunder der Vermehrung der Brote und Fische erlebt hatten und nach Hause gegangen wären.
Wie Jesus nachkommen wollte, war ihnen allerdings ein Rätsel. Denn es war kein Boot mehr am Ufer.
Als sie losfuhren war die Sonne schon lange untergegangen.
Jetzt war es mitten in der Nacht. Es war stockdunkel, und das machte die Fahrt noch ungemütlicher. Aber sie kannten sich ja in ihrem Boot aus. Sie fühlten sich im Boot wie zuhause. Sie waren ja Fischer. Sie hatten Erfahrung auch bei Nacht.
Sie hatten alles im Griff, trotz Dunkelheit, trotz der Kälte der Nacht, trotz dem Wind.
Doch genau dieser Wind wurde stärker. Ein Sturm kam auf. Die Wellen schlugen hoch. Sie hatten alle Hände voll zu tun, ihr Boot sicher zu halten.
Der Sturm tobte so wild, dass sogar die erfahrenen Fischer in Bedrängnis gerieten.
Wenn doch jetzt nur Jesus da wäre.
Ob das Boot hält?
Ob das Boot trägt?
Hier waren sie noch in Sicherheit. Die Wellen wurden immer bedrohlicher
sie wurden höher und höher, sie fingen schon an in das Boot zu schlagen. Langsam lief das Boot voll und den Fischern stand der kalte Schweiß auf der Stirn.
So einen heftigen Sturm hatten sie noch nie erlebt.
Doch was war das? Da war etwas helles. Da drüben über dem Wasser schwebte etwas und kam auf sie zu.
Gebannt starten die Männer hinüber. Je näher sie kamen, desto eher konnte man erkennen dass es ein Mensch war. Oder ein Gespenst, denn wer kann schon auf dem Wasser…
Einige Jünger schrien laut vor Angst auf. Andere hätten auch gerne geschrien, aber es schnürte ihnen vor Angst die Kehle zu.
Da geht jemand auf dem Wasser, das gibt es doch nicht. Das konnte also nur ein Gespenst sein.
Da legte dieser Mensch, wenn es einer war, seine Hände an den Mund und rief:
Hab keine Angst – ich bins, Jesus.
Ja es musste Jesus sein. Warum haben sie nicht eher dran gedacht.
Erleichtert atmeten sie auf und warteten. Warteten, dass er zu ihnen kam. Nur einer wollte nicht warten. Petrus. Wenn Jesus auf dem Wasser gehen kann, dann kann ich das auch. Natürlich nicht von mir aus. Aber Jesus kann es möglich machen.
Kaum war ihm der Gedanke gekommen, da rief er auch schon. Wenn du es bist Herr, dann befiehl mir doch zu dir zu kommen. Und Jesus, er rief: Komm
Petrus tritt an den Rand des Bootes.
Die Wellen peitschen ihm bis ins Gesicht. Er klammert sich an die Reling. Seine Fingerknöchel treten weiß hervor.
Dann hebt er einen Fuss über die Reling. Immer noch klammert er sich krampfhaft fest. Und dann. Wird er wirklich loslassen?
Es ist schon schwierig genug aus dem Boot zu steigen wenn die Sonne scheint und das Wasser glatt ist, aber bei Sturm, bei der Höhe der Wellen, 3 Uhr nachts?
Er lässt los. Mitten im Sturm, verlässt sein sicheres Boot. Er liefert sich voll und ganz der Macht Jesu aus. Und zum ersten Mal in der Geschichte geht ein ganz normaler Mensch auf den Wellen.
Doch dann geschah es. Petrus sieht die hohen Wellen. Die Realität setzt ein. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Petrus sah nur noch die Welle. Er merkt, dass er sich mitten im Sturm, mitten auf dem Wasser befindet. Er bekommt Angst, sein Blickwinkel hat sich verlagert. Weg von Jesus, hin zum Sturm. In dem Augenblick beginnt er zu sinken.
Herr hilf mir schrie er, Jesus war nicht weit. Er streckte Petrus die Hand hin, hielt ihn fest, zog ihn aus dem Wasser. Zog ihn hoch, zog ihn zu sich.
Die anderen Jünger waren inzwischen auch näher herangerudert, Jesus und Petrus konnten ins Boot steigen. Und merkwürdig, in dem Moment lies auch der Sturm nach.
Mich fazinieren einige Punkte in der Geschichte, die ich hinterfragen und herausfordern möchte.
1. Der Sturm
Stürmische Zeiten wir kennen Sie alle, sie sind uns vielleicht mehr vertraut als uns lieb ist. Sie gehören zu unserem Leben.
Wellen schlagen hoch, schlagen über uns zusammen. Wir können ihnen nicht entfliehen, wir sind mitten drin und manchmal drohen wir sogar unterzugehen.
Auch unsere Welt ist ein Ort, wo vielerlei Stürme toben. Wir leben in einer stürmischen Welt.
Manchmal tobt innen und außen ein Sturm. Ein Sturm, dem ich standhalten muss.
Wie gut ist es da, einen sicheren Ort zu haben.
2. Das Boot
Ein sicherer Ort, ein Boot. Wir sitzen alle im gleichen Boot sagt man. Wir haben alle ein Boot, unser Lebensboot. Wir haben unser Leben, unser Boot so eingerichtet, dass wir leben können, dass wir uns sicher fühlen, auch in stürmischen Zeiten.
Und trotzdem, wir spüren und merken eine letzte Sicherheit gibt uns unser Boot nicht, manchmal stehen wir in der Gefahr trotzdem unterzugehen oder zu kentern.
Und dann?
Dann wünschte ich mir so sehr wie die Jünger, dass Jesus jetzt da wäre
dass ich seine Grösse erfahren würde und er meinen Sturm stillt.
Die Jünger erkannten Jesus nicht. Manchmal, braucht es Augen des Glaubens um Jesus zu erkennen. Ja das ist ein Punkt den mich diese Geschichte lehrt.
Augen des Glaubens die Jesu Gegenwart erkennen, gerade in stürmischen Zeiten.
3. Aussteigen
Petrus stieg aus dem Boot, verlies seine vermeintliche Sicherheit und lief Jesus entgegen, lief auf dem Wasser. Er machte eine unvergessliche Erfahrung mit Jesus.
Er hat Vertrauen und er hat Glauben gewonnen.
Manches Mal sehne ich mich nach solch einer Erfahrung. Manchmal spüre ich die Sehnsucht mein gewohntes, eingefahrens, Plätzchen im Boot zu verlassen und auszusteigen.
Ja manchmal sehne ich mich nach mehr Glauben, nach mehr Glaubenserfahrungen, und ich spüre es kann sie nur geben , wenn ich bereit bin auszusteigen aus meinem Boot. Wenn ich bereit bin auf dem Wasser zu gehen. Auf dem Wasser zu gehen ist für mich ein Bild. Ein Bild für etwas, das ich niemals alleine schafffen kann, dass aber mit Gottes Hilfe möglich ist. Es ist für mich ein Bild, ein Bild dafür die Gegenwart Jesu und seine Kraft zu erleben.
Aber bleiben wir noch einen Augenblick beim Boot.
Was ist Ihr Boot? Ihr Boot ist das, was ihr Leben bequem macht. So bequem, dass sie es nicht aufgeben möchten. Ihr Boot ist, dass was Ihnen Sicherheit gibt, worauf sie Ihr Vertrauen setzen, wenn das Leben stürmisch wird.
Was ist ihr Boot? Ihre Ängste werden es Ihnen verraten. Was jagt mir die größte Angst ein, wenn ich mir vorstelle, dass ich es loslasse und im Glauben einen Schritt ins Ungewisse tue. Was ist ihr Boot? In welchen Bereichen Ihres Lebens schrecken Sie davor zurück Gott voll und ganz zu vertrauen?
Es gibt Zeiten da ist es angesagt im Boot zu bleiben und zu warten.
Aber es gibt auch Zeiten da ist es angesagt auszusteigen.
Die Geschichte von Petrus hat mich neu dazu angeregt mich zu fragen. Jesus wo willst du, dass ich aussteige?
Wo willst du, dass ich lerne auf dem Wasser zu gehen?
Dass heisst Jesus ganz neu zu begegnen und mein Vertrauen neu auf ihn setze.
Lerne seine Kraft und Gegenwart neu zu erleben und im Glauben zu wachsen.
Ja, will ich überhaupt auf dem Wasser laufen?
Wo ruft mich Gott heraus, vielleicht heraus aus dem Gewohnten?
Wo ruft mich Gott einen Glaubensschritt zu wagen?
Höre ich den Ruf?
Entscheide ich mich dafür auszusteigen, oder im Boot zu bleiben?
Beides wird mit mir etwas machen. Entscheide ich mich im Boot zu bleiben, werde ich ein wenig härter werden und mich beim nächsten Mal noch schwerer tun, Jesus zu vertrauen. Entscheide ich mich für das Aussteigen, wird es auch Konsequenzen haben.
Wenn Sie aus dem Boot steigen, könnte es sein, dass Sie untergehen, sehr wahrscheinlich sogar. Petrus bat nicht um ein Versprechen, dass er nicht untergehen werde (das hätten wir manchmal gern) Petrus ging das Risiko ein. Er ging das Risiko ein zu versagen. Machte aber auch die Erfahrung auf dem Wasser zu gehen.
Beide zahlen einen Preis. Petrus und die Bootshocker.
Die Jünger im Boot wollten nicht riskieren zu versagen, Sicherheit ging ihnen vor Wachstum. Die Jünger wollten keinen Marschbefehl, sondern ein Versprechen.
Die Jünger bezahlen den Preis des Wachstums. Den Preis, den es kostet aus dem Boot zu steigen, steht den Jüngern sehr deutlich vor Augen. Blamage, versagen, ertrinken, evtl. der Tod.
Den Preis, den sie bezahlen ist ihnen nicht so bewusst. Wir bezahlen auch oft diesen Preis, den Verzicht auf Wachstum, obwohl er uns doch so wichtig ist. Wir wollen wachsen, wir sind zum Wachsen geboren. In der Wirtschaft ist Wachstum wichtig, wir freuen uns am Wachstum in der Natur, bei unseren Kindern. Stagnation ist traurig.
Wir wollen im Glauben wachsen und bleiben doch so oft im Boot sitzen. Eigentlich würden wir gerne vorankommen, wachsen und wählen doch oft die Bequemlichkeit.
Denken wir zurück an die Stagnation, anstatt das Problem anzupacken, gibt man sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden.
Wenn ich aus dem Boot steige, verabschiede ich mich von meiner Bequemlichkeit. (Bequemlichkeit ist oft heute das höchste Ziel und hält uns oft ab, für Gott bereit zu sein.)
Wie sieht im Moment mein Leben aus? Zusammengekauert im Boot. Verschrumpelte Seele. Wenig Vertrauen. Wenig Hoffnung. Ungentutztes Potential. Angst, Resignation.
Wer Jesus nachfolgen will, sollte es immer wieder wagen aus dem Boot auszusteigen. Stell Dir vor, was Gott aus Deinem Leben hätte machen können, wenn Du ihn gelassen hättest, wenn Du immer wieder ausgestiegen wärst, wenn Du Dich ihm anvertraut hättest. Was hätte er aus Deinen Begabungen machen können,
aus Deinen Beziehungen, aus Deinem Charakter, aus Deinem Fehlverhalten.
Petrus stieg aus. Er verliess das Boot. Er stellte sich dem Sturm. Und lieferte sich ganz und gar der Macht Jesu aus.
4. Untergehen
Petrus – Hoffnung liess ihn aus dem Boot steigen, Vertrauen hielt ihn über Wasser,
Angst brachte ihn zum sinken.
Angst, er schaute hinunter, schaute auf die Wellen, der Fokus der Aufmerksamkeit war von Jesus abgelenkt. Er sah den Wind.
Dieser Verlust der Aufmerksamkeit, der Ausrichtung auf Jesus, zogen Gedanken nach sich – Panik-Angst.
Das unterbrach seine Fähigkeit weiter in der Macht Jesu zu wandeln.
Während Petrus völlig auf Jesus konzentriert war, war er ermächtigt auf dem Wasser zu gehen. Doch die Angst führte dazu, dass die Verbindung zur Kraftquelle abbrach.
Angst, kenne ich das auch?
Angst bestimmt unser Leben. Zu unserem Leben gehört die Angst. Deshalb steht 366 mal in der Bibel fürchte Dich nicht.
Angst blockiert.
Blockiert auch unsere Beziehung zu Jesus.
Angst ist ein häufiger Grund warum Menschen nicht das tun, was Gott von ihnen will.
Angst ist ein häufiger Grund nicht aus dem Boot zu steigen.
Welche Nahrung nehme ich zu mir, Angst oder Hoffnung?
Der Treibstoff ist entscheidend für meine Leistung.
Die Bibel weiss sehr wohl, dass Angst oft genug unseren Motor lähmt. Angst zerstört.
Angst zerstört, wieviel Macht gebe ich der Angst?
Aussteigen kann ich nur, wenn ich meine Angst in Kauf nehme, wenn ich mich nicht von ihr beherrschen lasse. Sie ist da, aber sie beherrscht mich nicht.
Wasserläufer akzeptieren ihre Angst als Preis für Wachstum.
Wasserläufer, geben ihrer Hoffnung Nahrung, und nicht ihrer Angst.
Als Petrus sich von der Angst besiegen lies, begann er zu sinken.
Untergehen setzen wir oft mit Versagen gleich. Hat Petrus versagt?
In gewisser Weise ja. Aber Petrus lehrt mich einen guten Umgang mit Versagen.
Petrus nimmt das Versagen in Kauf, er lernt daraus. Ich will Versagen oft vermeiden, habe so Angst davor, dass ich auch viele gute Erfahrungen nicht mache.
In gewisser Weise hat Petrus versagt. Sein Glaube war nicht stark genug. Seine Zweifel waren letztendlich stärker. Aber die Erfahrung hat ihn stärker gemacht und er wird beim nächsten Mal noch mehr Vertrauen haben. So gesehen hat er versagt, aber auch gewonnen. Vor allem auch dadurch, dass Jesus sein Problem noch einmal vor 4 Augen auf den Punkt gebracht hat.
Die grösseren Versager aber sind die Freunde. Die sitzen noch im Boot.
Sie scheiterten natürlich unauffälliger. Ihr Versagen wurde nicht bemerkt und nicht kritisiert. Das Schwerste für uns ist vor Anderen zu scheitern.
Aber trotz des Scheiterns hat Petrus 2 Dinge gewonnen:
Er kannte jetzt das Gefühl auf dem Wasser zu laufen.
Das Versagen war für Petrus eine Möglichkeit zu wachsen.
Petrus erkannte sein Problem jetzt besser. Auf die Wellen schauen. Oder auf Jesus.
Zweifel – Vertrauen
Jemand der nie versagt hat, kann keine wahre Grösse erlangen. Versagen ist die Prüfungszeit der Grösse. Ein Kind kann mit Versagen gut umgehen. Wenn es hinfällt, steht es auf und versucht es erneut, es weiss nur so lernt es. Wenn wir älter werden tun wir uns mit Versagen schwer, wir vermeiden lieber den Sturz, als laufen zu lernen. Petrus war bereit Fehltritte zu riskieren.
Diese Petrusgeschichte ist eine Glaubensgeschichte – eine Geschichte, die uns zum Glauben herausfordert. Frage Gott – Was willst Du von mir? Welche Schritte soll ich gehen. Vielleicht wirst Du dabei versagen, aber Du wirst sicher dabei wachsen. Das wünsche ich Dir.
Jesaja 43: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst
Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein,
dass dich die Ströme nicht ersäufen… denn ich bin der Herr dein Gott.
Amen
http://www.chrischona-eichstetten.de

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